Seite 1 - 2 - 3 - 4 - 5 - 6

liess sich auf die Knie sinken und kostete das eiskalte Nass aus der hohlen Hand. Es war kalt, aber frisch und sie konnte keinen üblen Geschmack ausmachen, der darauf hindeutete, dass es abgestanden war, so dass sie es gefahrlos abfüllen konnte. Während sie die Öffnung des ersten Schlauches unter die Oberfläche drückte, betrachtete sie ihr Spiegelbild. Es war ungewohnt, sich in der fremden Kleidung zu sehen, das Haar nicht sorgfältig gekämmt, sondern nur grob mit den Fingern zurechtgezupft und mit einem Band zusammen gebunden. Aber sie wirkte irgendwie auch gesünder, wie ungepflegt ihr Aussehen auch erschien. Ihr Gesicht besass mehr Farbe und die leicht geröteten Wangen standen ihr auch nicht übel an. Sie schämte sich beinahe für den Gedanken, dass sie sich selbst gefiel und wandte den Blick von ihrem Spiegelbild ab. Würde Raven glauben, dass sie eitel war, wenn er davon erfuhr? Sie erinnerte sich an seine sanften Berührungen und errötete. Sie durfte solche Gedanken nicht hegen. Sie waren befreundet und sie auf seine Hilfe angewiesen, aber sie durfte sich nicht einbilden, dass da mehr zwischen ihnen war oder dass da je mehr sein würde. Es war lächerlich überhaupt darüber nachzudenken, dass ein Mann wie er überhaupt Interesse an einer Frau wie ihr haben konnte. Es würde nur ihre Freundschaft zerstören, wenn sie auf mehr hoffte. Sie unterdrückte ein Seufzen und zog den gefüllten Schlauch aus dem Wasser, um ihn sorgfältig zu verschliessen und neben sich hinzulegen. Sie gab ihren Fingern einen Augenblick Zeit sich zwischen ihren Knien aufzuwärmen, bevor sie den zweiten Behälter ins Wasser tauchte. Sie durfte sich nicht zu lange aufhalten, sonst würde Raven sich sorgen und wie angekündigt nach ihr suchen. Die Zeit, die es brauchte den Schlauch zu füllen, konnte sie nicht beschleunigen, aber ihre Schritte auf dem Rückweg. Plötzlich sehnte sie sich zurück ans warme Feuer in Ravens Gegenwart und die Sicherheit, die er ausströmte. Sie schob den Stöpsel in den gefüllten Schlauch und achtete sorgfältig darauf, dass er fest sass, als ihr Blick erneut auf ihr Spiegelbild fiel. Sie kam sich dumm vor auch nur einen Moment lang in Erwägung gezogen zu haben, dass das, was sie sah, Raven interessieren könnte. Sie war zu gewöhnlich, zu ängstlich und zu nutzlos, als dass er irgendetwas in ihr hätte sehen können, das seiner Aufmerksamkeit wert wäre. Und auch wenn er trotzdem etwas gefunden hätte, es würde nicht funktionieren, weil sie nicht attraktiv genug war, einen